Research

Wieso (und wie) wir den Einzelhandel auf Einkaufsstraßen überdenken müssen

Die von Cushman&Wakefield durchgeführten Forschungen, die auf PlaceSense Daten basieren, sind eine wertvolle Lektion für Einzelhändler, die neue kreative Wege finden müssen, um Kunden in ihre Geschäfte in Stadtzentren zu locken.

 

Die Pandemie geht langsam zurück und Staaten beginnen Covid-Einschränkungen aufzuheben. Hauptstraßen in ganz Europa zeigen Optimismus und können langsam wieder aufatmen.  

Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ist positiv, doch zwei Jahre geprägt von Lockdowns, Maskenpflicht und sozialer Distanz hatten Einwirkungen auf den Einzelhandelssektor.

Doch wie gut gelegen sind Hauptstraßen wirklich, um sich dem neuen Post-Covid Verbraucherverhalten anzupassen? 

Das von Cushman&Wakefield veranstaltete Webinar „Highstreets in der Krise?“ analysierte Daten, um genau diese Frage zu beantworten. Die Präsentation, die von Helge Zahrnt und Ronny Krohn von Cushman & Wakefield sowie Jahn Barenhoff von PlaceSense abgehalten wurde, befasste sich mit dem Einzelhandel Besucherfrequenz – Index, welcher von Cushman & Wakefield erstellt wurde und auf Daten von PlaceSense basiert.  Dieser Index verfolgt Besucherfrequenzen in deutschen Großstädten und vergleicht diese Daten mit den Frequenzen der entsprechenden Standorte vor der Pandemie.  

Generell ist die Besucherfrequenz in Deutschlands Hauptstraßen – so wie etwa in der Mönckebergstraße in Hamburg – auf  ca. 60% während der Corona-Pandemie gefallen. 

Trotz dieser Tatsache sind die Einzugsgebiete für Einzelhandelsstandorte, die sowohl vor als auch nach der Pandemie (April 2019 bis Februar 2022) analysiert wurden, weiterführend gleich geblieben.  Eines Sticht jedoch heraus: Die Cross-Visitation-Rate (der Anteil an Highstreet- Passanten, die den Einzelhandel besuchen) ist gefallen.

Visit trends Hamburg locations
Visit trends during Covid: Mönckebergstraße in Hamburg fell by approximately 60%.

Ein neuer Trend sticht heraus: Niedrige Cross-Visitation, gezieltes Einkaufen

Lassen Sie uns doch einmal mit Hilfe von PlaceSense-Daten einen Schnappschuss von Hamburg vor der Pandemie genauer unter die Lupe nehmen. Von allen Besuchern Jungfernsteins besuchten 63% der Besucher ebenfalls die nahegelegene Europa-Passage. Weitere 72% der Besucher besuchten ebenso Mönckebergstraße. 

Während der Pandemie fielen die Cross-Visitation zahlen jedoch merkbar. Nur noch 54% der Besucher besuchten die Europa-Passage und nur mehr 60% die Mönckebergstraße. 

Die Analyse der Besucherströme macht deutlich, dass Besucher ganz gezielt einzelne Läden aufsuchen, wenn sie sich zum Einkaufen in die Stadt begeben.  Herumbummeln wurde immer unbeliebter, da Einkäufer versuchten die Zeit sowie die [Anzahl der] von ihnen besuchten Geschäften zu verringern.

Cross-Visitation vor der Covid-Pandemie: Von allen Besuchern der Einkaufsstraße Jungfernstieg besuchten 63% ebenfalls die nahegelegene Europa-Passage. 72% besuchten die Einkaufsstraße Mönckebergstraße.

Dies spiegelt sich in den gefallenen Nummern der Cross-Visitation wieder, die wir seit Beginn der Pandemie deutlich erkennen können. Im Gegensatz zum Zeitraum vor der Pandemie sind Einkäufe gezielter und Leute schlendern immer weniger ziellos durch die Einkaufsstraßen. Dieses Verhalten resultiert höchstwahrscheinlich aus den Corona-Maßnahmen. Die Tatsache, dass Leute längere Zeit in Schlangen standen, Masken tragen und einen Impfausweis vorweisen mussten, bevor sie ein Geschäft besuchen konnten, hinterließ Spuren. Das hat die Cross-Visitation stark verringert, was man deutlich sieht, wenn man Hamburg oder andere Städte Deutschlands analysiert.

Cross-visitation_Corona
Cross-Visitation Trends während Covid: Cross-Visitation fallen auf 54% im Zusammenhang mit der Europa-Passage und 60% in Verbindung zur Mönckebergstraße.

Einzelhändler müssen neue Taktiken anwenden

Trotz allem ist es keine Frage, Retail lebt! Käufer zeigten ihre Loyalität und die Hauptstraßen blieben nach wie vor ein beliebter Einkaufsort.

PlaceSense-Daten zeigen, dass sich immer mehr Leute zurück in die Stadtzentren begeben. Kunden wollen einkaufen, jedoch hat sich ihr Kaufverhalten geändert. 

Die Besucherfrequenzen auf den Hauptstraßen Deutschlands sind vorhanden, müssen jedoch optimiert werden. Daraus folgend müssen Einzelhändler Wege finden, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen und sie in ihre Geschäfte zu locken. Es gibt eine Anzahl von erfolgreichen Einzelhändlern, die als Inspirationsquelle dienen können, wenn es um Marketing und Werbemethoden geht.  Kreative Marketing-Methoden bieten die Möglichkeit Kunden weit über die Ladenfront hinaus zu erreichen und somit den Einzelhandel zu fördern.

Ein gutes Beispiel, das von Ronny Krohn im Webinar angesprochen wurde, ist etwa das Geschäft „Kingdom of Sweets“. Der amerikanisch angehauchte Süßigkeiten-Laden aus England hat ebenfalls zwei Standorte in Deutschland – einen in Düsseldorf und einen in Köln. 

Die Stores sind mit Bonbons geschmückt, die die Kunden dazu zu verführen Selfies zu nehmen und online zu teilen. Zudem wird ebenfalls eine Aroma-Diffusion-Technologie verwendet, die Kunden in die Geschäfte locken soll und somit die Besucherfrequenz erhöhen soll. 

Offline Und Online Verbinden 

Einen ähnlich interessanten Ansatz verfolgt die Kleiderfirma Supreme. Die Marke setzt hohe Priorität darauf, die Verfügbarkeit der Waren zu verwalten. Wenn Waren verfügbar werden, nutzt Supreme ihre starke Online- und Social-Media-Präsenz, um Kunden in ihre Geschäfte vor Ort zu locken. Diese Art der Vermarktung weckt bei den Kunden eine Art von Zugehörigkeit.  Die Marke schafft es die Exklusivität der Waren aufrechtzuerhalten, während sie mit dieser Methode gleichzeitig ihren Gewinn und ihre Beliebtheit erhöhen. 

Einige Marken, wie zum Beispiel „Shaping New Tomorrow“, verwenden eine hybride Strategie. Diese Art der Methode soll sowohl dazu führen die Online-Präsenz, sowie die Präsenz auf den Hauptstraßen zu optimieren. Durch den Verkauf von „dehnbaren“ Jeans mit Lycra-Anteil vermarktet die Marke ihre Produkte stark online und versucht somit, die Nachfrage in ihren Läden vor Ort zu steigern. Die Marke verwendet ihr Geschäfte in den Hauptstraßen ebenfalls als Versandlager für die Online-Bestellungen. „Shaping New Tomorrow“ war ursprünglich eine reine Online-Marke. Ihr Erfolg veranlasste sie jedoch dazu, ihre ersten Läden vor Ort zu öffnen. Die Firma hat ebenfalls Spiele in ihre Vermarktungsmethode eingebunden. Sie boten Einkäufern bei den Neueröffnungen ihrer Geschäfte an, Spiele im Geschäft zu spielen und Preise zu gewinnen, was dazu führt, dass Einkäufer nicht nur Spaß hatten, sondern ebenfalls ein positives Gefühl mit der Marke verbinden und Erinnerungen schaffen. 

Einzelhändler, die sich der neuen Ära anpassen können und es schaffen ihre Online-Präsenz mit ihren Geschäften vor Ort zu verbinden, werden kein Problem haben auch in der Post-Covid-Realität neue Kunden anzuziehen.

PlaceSense-Daten zeigen, dass Besucherzahlen und Frequenzen vorhanden sind. Nun ist es an den Einzelhändlern kreativ und intelligent zu handeln.

 

Klicken Sie hier um sich das Webinar auf Deutsch anzusehen.

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